Griechenland


Unser Standort in Thassos

Kurzbeschreibung

Das Projekt von Nikos und Nizza Konstantinidis bietet Einzelbetreuung in familiärem Ambiente für gefährdete Kinder und Jugendliche an. Das Projekt besteht bereits seit November 1987. Es wurden bisher über Einhundert Kinder und Jugendliche erfolgreich betreut. Hier besteht die Möglichkeit in ruhiger Umgebung den bisherigen Lebensweg zu reflektieren und neue Perspektiven zu finden. Das Zusammenleben in der Hausgemeinschaft fördert den Aufbau einer vertrauens und respektvollen Beziehung.
Durch gemeinsame Haushaltsplanung und Alltagsbewältigung werden die Jugendlichen zu Selbstständigkeit und Verlässlichkeit angehalten. Sie haben hier die Möglichkeit ihr handwerkliches, sportliches oder künstlerisches Geschick zu entdecken oder weiter zu entwickeln.
Durch die guten Beziehungen zur Dorfgemeinschaft besteht die Möglichkeit, die Jugendlichen in Kontakt zu Gleichaltrigen zu bringen und so den Sozialisierungsprozess

Thassos befindet sich im Norden der Ägäis und liegt sieben bis acht Kilometer von der Küste Ost Mazedoniens entfernt. Die 380 km² große, dicht bewaldete Insel ist teilweise umsäumt von schroffen Felsenküsten aber auch von wunderschönen Sandstränden. Eine Bergkette erstreckt sich in nordöstlicher Richtung quer über die Insel. Ihr höchster

Gipfel ist 1.160 m hoch. Von dort aus kann man die ganze Insel übersehen. Die ungefähr 13.000 ständigen Einwohner der Insel leben hauptsächlich vom Tourismus und vom Olivenanbau in großen Hainen an der Küste sowie von Bienen- und Viehzucht.
Vom Hafen „Skala Prinos“ mit Fährverbindung zum Hafen von Kavala (Fahrtdauer ca. 80 Minuten) aus muss man 6 Kilometer ins Landesinnere fahren, um in das Bergdorf Megalos Prinos (Kazaviti) zu gelangen. Hier gibt es einen sehr dyllischen Dorfplatz mit zwei Tavernen, die aufgrund ihrer Lage und Umgebung im Sommer viele Touristen anziehen. Hier, oberhalb des Dorfplatzes liegt das Projekt. Auf der Strecke dorthin liegt der größere Ort Prinos, wo sich verschiedene Geschäfte und eine Post befinden. Ein weiterer Zugang zur Insel besteht über den Hafen von Keramoti, der wiederum näher zum Flughafen von Kavala liegt. Die Überfahrt dauert ca 30 Minuten, die Entfernung vom Hafen der Hauptstadt Thassos auch „Limenas“ genannt bis Kazaviti liegt bei etwa 23 km.

Aufnahme finden männliche Kinder / Jugendliche im Alter von 12 bis 18 Jahren, in Ausnahmefällen auch älter:

  • die von den ambulanten und stationären Angeboten der Jugendhilfe nicht mehr aufzufangen sind
  • die einen intensiven Betreuungsrahmen brauchen, um positive Beziehungsmuster aufzubauen
  • deren persönliche und soziale Entwicklung in ihrer Herkunftsfamilie nicht mehr gewährleistet ist
  • für deren Entwicklung es sinnvoll erscheint, in einer konsumreduzierten Gemeinschaft zu leben
  • die im Heimatland schwer oder nicht mehr beschulbar sind
  • Klare Ausschlusskriterien für die Maßnahme sind
  • Drogen bzw. Suchtmittelabhängigkeit
  • Psychosen
  • Körperbehinderung
  • Mehrfachbehinderung
  • Gemeinsames Zusammenleben mit intensivem Beziehungsangebot
  • Strukturierter Tagesablauf
  • Hinführung zur selbstständigen Lebensführung durch die Vermittlung häuslicher und alltagspraktischen Fertigkeiten
  • Vermittlung handwerklicher Fähigkeiten
  • Schulische Förderung, Entwicklung beruflicher Perspektive
  • Beratung und Begleitung bei Krisen und Konflikten, sowie bei Fehlentwicklungen im Verhaltensbereich
  • Erleben und Begreifen der positiven Auswirkungen von Leben und Arbeiten unter einfachen Bedingungen Abgeschiedenheit im Winter, zeitlich begrenzte Medien- und Internetnutzung) verbunden mit Kontinuität und Intensität der persönlichen Beziehungen mit klaren Regeln und Ritualen
  • Naturverbundenheit kennen und erfahren lernen
  • Individuelle erlebnispädagogische Kurzmaßnahmen als Krisenintervention
  • Geschlechtsspezifische Förderung und Betreuung
  • Förderung der Auseinandersetzung mit der Herkunftsfamilie
  • Entwickeln von Zukunftsperspektiven und Lebensplanung
  • Gesundheits- und Hygieneerziehung
  • Förderung individueller Interessen und Begabungen
  • Erarbeitung individueller Perspektiven und realistischer Ziel
  • Auseinandersetzung mit der persönlichen Biografie
Hier sollen Kindern und Jugendlichen mit Integrationsproblemen, die teilweise zahlreiche Heime oder andere soziale Einrichtungen durchlaufen haben, schrittweise neue Verhaltenweisen aufbauen können. Die fremde Kultur und anfängliche „Sprachlosigkeit“ im neuen Land, umgeben vom der ländlichen Raum einer abgeschiedenen Insel eröffnet unzählige Lernchancen. Insbesondere Kinder / Jugendliche mit „Bindungsschwierigkeiten“ gelingt es meist unter diesen Bedingungen die Fähigkeit zu entwickeln, tragfähige Beziehungen aufzubauen.
Das Projekt wurde Ende der achtziger Jahre von Nizza und Nikos Konstantinidis, beide mit langjähriger Erfahrung in Familienprojekten mit lernbehinderten Jugendlichen in Deutschland (Einrichtung Mariaberg, LK Reutlingen) auf der Insel Thassos gegründet. Zu Beginn als ein erlebnispädagogisches, heute als intensivpädagogisches Projekt, spezialisiert auf Kinder und Jugendliche mit Sozial- und Lernproblemen.
Die Jugendlichen wohnen im Haus der Familie Konstantinidis. Dies ist ein traditionell restauriertes Haus und hat alle architektonischen Elemente behalten, die ursprünglich angelegt waren und für die Gegend auch heute typisch sind.

Im Haus sind ausreichend Zimmer für 10 Personen vorhanden. Jeder Jugendliche hat sein eigenes Zimmer und benutzt natürlich alle Funktions-, Ess- und Gemeinschaftsräume im Haus.
Hinter dem Haus mit den dazugehörenden ausgedehnten Gartenanlagen beginnt eine für diese Gegend typische alte Kulturlandschaft mit wilden Obstbäumen, Gebirgsbächen und dichtem Pinienwald.

Die Eheleute Konstantinidis / Danana werden erfahrungsgemäß rasch in einer Art Ersatzeltern- / Großelternrolle akzeptiert; sie sind selbst Eltern von zwei (inzwischen erwachsenen) Kindern. Außerdem nehmen die Jugendlichen an einer Reihe von verwandtschaftlichen, freundschaftlichen und beruflichen Kontakten der Familie teil, was ein Zugehörigkeitsgefühl rasch wachsen lässt. In der Regel bekommen sie rasch Kontakt zu den Einheimischen im Dorf. Die Teilnahme an gemeinsamen familiären Aktivitäten und Festen ist selbstverständlich. Diese Einbindung in bestehende Beziehungen ist eines der wichtigsten Elemente für das Zusammenleben, da sich die Jugendlichen als Teil der Familie fühlen können. Sie gibt ihnen Sicherheit und Vertrauen und somit die notwendige stabile Basis, sich im Verlauf den Aufenthaltes weiterzuentwickeln.

Die Hauptpersonen des Projektes sind

Nizza Konstantinidou – Danana, Heilerzieherin, und damit Berechtigte eine Einrichtung zu leiten, langjährige Erfahrung in familienorientierten Projekten, viele Fertigkeiten im kreativen Bereich, Mitarbeit im Gemeinwesen zu ökologischen Themen.

Nikos Konstantinidis, Arbeitserzieher und Kfz- Mechaniker, mit Kenntnissen in verschiedenen handwerklichen Bereichen wie Holzverarbeitung, Restaurierung von alten Möbeln, Türen, Dächern usw.
Sula Mimosa, Migrantin aus Albanien mit unbefristetem Aufenthalt, sehr guten Griechisch – Kenntnissen und guten Deutsch – Kenntnissen. Sie ist bereits seit vielen Jahren im Projekt beschäftigt und verantwortlich für das zugehörige Gästehaus, das vor allem im Sommer gerne gebucht wird und unterstützt das Projekt in der Hauswirtschaft.

Umsetzung

  • Einzelgespräche
  • Angebot von sinnvollen Freizeitmaßnahmen: z. B. gemeinschaftliche Unternehmungen im Rahmen der kulturellen Gegebenheiten wie Exkursionen auf der Insel, Strand- und Erlebnisausflüge, Teilnahme an gemeinnützigen Projekten, Naturprojekte in Flora und Fauna Mitarbeit an ökologischen Pilotmaßnahmen, Fischen, Bootfahren, Radfahren; einmal jährlich in den Ferien eine Kulturreise zu berühmten Kulturstätten
  • Unterstützung beim Begreifen der „anderen“ Kultur und Erlernen der Sprache
  • Anleitung bei Alltagstätigkeiten
  • Einbindung in den Arbeitsalltag: z. B. Holzvorrat anlegen für die Versorgung mit Warmwasser und Heizung im Winter, Versorgung der Tiere, Bewirtschaftung des großen Gartens, Reparaturarbeiten in und am Haus, Reparatur und Fertigung von Kleinmöbeln, Einbindung in Tätigkeiten des handwerklich – kreativen Bereichs (bei Interesse auch Zusammenarbeit mit einem Künstler, der Marmor – Skulpturen anfertigt), Begleitung bei Aktivitäten mit den Touristen, die im Sommer anwesend sind
  • Berufsvorbereitungsmaßnahmen
  • Direkte Krisenintervention
  • Intensives Zusammenleben in der Hausgemeinschaft

Einrichtungsspezifische Qualitätsmerkmale

  • Regelmäßige Besuche vor Ort durch die Koordinatorin im Abstand von ca. 6 – 8 Wochen
  • Regelmäßiger Kontakt (Fax / Telefon / E-Mail) und fachlicher Austausch mit der Koordinatorin
  • Team- und Fall- Supervision durch einen Familientherapeuten der Sozialpädagogischen Projekte vor Ort
  • Halbjährliche Hilfeplanung
  • Teilnahme an Weiterbildungen
  • Unsere Einrichtung ist Mitglied im Bundesverband Erlebnispädagogik e.V. und verpflichtet sich somit für die Einhaltung, der in der Selbstverpflichtungserklärung enthaltenen Qualitätsstandards.
  • Ebenso für die Erfüllung aller Vorgaben der Brüssel II a – Verordnung.
Ansprechpartner ist der Koordinator Herr Theodoros Daskaris, Soziologe M.A.. Mit ihm findet ein Vorstellungsgespräch statt. Darin werden gemeinsam mit allen Beteiligten (Jugendliche, Eltern, MitarbeiterInnen des Jugendamts) Ziele festgelegt. Enge Zusammenarbeit mit den Zuständigen im Jugendamt und den Eltern bzw. Erziehungsberechtigten ist erwünscht und wird geboten.
Die Freiwilligkeit des Jugendlichen an der Auslandsmaßnahme teilnehmen zu wollen ist Grundvoraussetzung für eine Aufnahme.
Rechtsgrundlage für die Maßnahme sind §§ 34, 35, 35a, 41 SGB VIII.
In Griechenland besteht weder die rechtliche Grundlage noch die Struktur einer amtlichen Fürsorge für Kinder und Jugendliche, somit einer Jugendhilfe, wie sie in Deutschland verstanden wird. Dieser rechtliche Leerraum macht es Projekten wie unserem schwer, in Griechenland als solche anerkannt zu werden. Es gibt lediglich die Zustimmung des Konsulats Thessaloniki, die mit einer Betriebserlaubnis nach deutschem Recht gleichwertig ist. Beim Konsulat werden auch Ein- und Ausreise der Kinder / Jugendlichen registriert.
Die Vorbereitung zur Rückkehr des / der Jugendlichen wird bereits vor dem Ende der Auslandsmaßnahme vorbereitet. In Zusammenarbeit mit dem / der Jugendlichen, Mitarbeitern, dem Koordinator, den zuständigen Personen im Jugendamt und den Eltern wird im Hilfeplangespräch der Weg vorbereitet, den der / die Jugendliche nach der Auslandsmaßnahme in Deutschland gehen kann.